20. Etappe: 19. April 2013

Jülich – Gustorf  36,9 km

Kaum bin ich aus Jülich raus und wieder auf Wirtschaftswegen unterwegs, sehe ich, egal, in welche Richtung ich schaue, Windräder. Es weht ein kräftiger kalter Wind und alle Räder sind in Bewegung.

Nach dem kleinen Ort Stetternich stehen an einer Kreisstraße mehrere historische Meilensteine. Es ist nicht der Originalplatz, die Steine mussten wegen des Tagebaus versetzt werden. Sie standen an einer der ältesten europäischen Fernstraßen, der Via Agrippinesis. Es sind ein römischer Meilenstein und drei preußische Steine.

Danach laufe ich sehr lange Zeit in einem großen Bogen um einen Hügel. Erst später erkenne ich, dass dahinter eine Tagebaustelle liegt. Nach Umlaufen der Tagebaustelle erreiche ich den Höllen und danach geht es auf einer kleinen Kreisstraße nach Kalrath. Schon etwa 3 Kilometer vorher ist der Ort am Horizont erkennbar, nur es dauert noch ewig, bis ich ihn erreiche. Schnell durchschreite ich diesen Ort. Er scheint nur aus Häusern an dieser einen Straße zu bestehen. Als ich das Ende von Kalrath erreicht habe, sehe ich in der Ferne eine alte Windmühle. Je nach dem, wie ich mich nähere, sehe ich dahinter ein Kraftwerk oder später daneben moderne Windräder.

Immer wieder laufe ich auf asphaltierten Wirtschaftswegen und mich begleiten die Kraftwerke und die Windräder. Ohne mein Navi hätte ich längst die Orientierung verloren. In Kirchherten entdecke ich endlich eine Bäckerei mit Café. Als ich eintrete, erklärt mir die Verkäuferin, dass sie schließt und Mittagspause habe. Ich schaffe es noch, einen Kaffee und ein Kuchenstück zu bekommen. Draußen auf einer Bank in der Kälte mache ich meine Pause. Mir wäre nach einem warmen Platz, das bleibt leider nur in Wunschtraum.

Bei Kaster begegnen mir zwei ältere Männer. Sie sind neugierig und wollen das woher und wohin wissen. Als ich sagen, dass ich nach Grevenbroich will, schicken sie mich ein Stück zurück auf einen anderen Weg. Dieser von ihnen beschriebene Weg erspart mir mindestens 2 Kilometer. So langsam spüre ich meine Füße, das dauernde Laufen auf Asphalt fordert seinen Tribut.

Nach Frimmersdorf muss ich ewig hinter einem Kraftwerk entlang laufen. Jede Sitzgelegenheit nutze ich aus, ich spüren, dass ich heute eine sehr lange Etappe hinter mir habe. Eine Zeit lang laufe ich neben der Erft, bis ich endlich den größeren Ort Gustorf erreiche. Am Ortseingang frage ich einen Radfahrer nach einer Unterkunft und habe Glück, er kann mir den Namen eines Hotels nennen. Auf einer Treppenstufe bei einem Supermarkt suche ich die Telefonnummer und rufe im Hotel an. Ich habe Glück, es ist noch ein Zimmer frei. Der Weg dorthin ist leicht gefunden. Ich betrete das Hotel um 18:55 Uhr, und als ich meinen Rucksack absetzte, merke ich, noch weitere 3,5 Kilometer bis nach Grevenbroich wären mörderisch geworden. Ich bin mit Pausen 10 Stunden unterwegs gewesen und jetzt einfach nur geschafft. Meine Füße brennen und nach einem Abendessen liege ich auch schnell im Bett.

Morgen werde ich nach Neuss laufen und abends einen ehemaligen Kollegen treffen. Ich freue mich darauf.

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