89. Etappe: 16. Juli 2013

Rerik – Kühlungsborn  11,2 km

Die Nacht war wieder unruhig. Diesmal waren meine Heringe des Zeltes gefordert. Der Wind von der Nacht zuvor war im Vergleich zum Wind heute Nacht ein Lüftchen. Das Außenzelt flatterte heftig im Wind und erzeugte knisternde Geräusche. Ich war ziemlich nervös, ob mir die dünnen Heringe vom Wind herausgezogen würden. Daher packte ich zur Sicherheit wieder alles in den Rucksack. Dazu kam, dass hinter mir und vielleicht 20 Meter seitlich von mir Straßen außerhalb des Platzes vorbei führten. Die Fahrgeräusche und das Licht sorgten mehrfach dazu, dass ich wach wurde. Die Jugendlichen auf dieser Wiese verhielten sich völlig normal und störten überhaupt nicht.

Um 7 Uhr stehe ich auf. Der Wind ist fast verschwunden und die Wolken über mir verheißen nichts Gutes. Doch ich habe inzwischen gelernt, am Meer ändert sich das Wetter schnell.

Meine Zeltnachbarn, die nette Familie aus Hamburg, fährt ebenfalls heute wieder mit dem Rad weiter. Die Tochter mit 5 Jahren und der Sohn mit 9 Jahren schaffen 30 Kilometer am Tag. Ich bin davon sehr überrascht, so eine lange Distanz habe ich nicht erwartet. Unsere Gespräche bringen mich auf die Idee, vielleicht im nächsten Jahr mit meinen Enkeln, dann 8 und 10 Jahre alt, auch eine Radtour mit Übernachtung auf Zeltplätzen zu machen. Deren Interesse natürlich und die Erlaubnis der Eltern vorausgesetzt.

Wir sind fast zur gleichen Zeit mit dem Abbau des Zeltes und dem Verpacken fertig. Dann verabschieden wir uns, um uns bei den Sanitäranlagen und wenig später an der Rezeption erneut zu treffen. Markus macht dann noch ein Filmchen und Fotos von mir. Dann starte ich vor ihnen um schließlich doch wieder ein- und überholt zu werden.

Es sind inzwischen viele Radler unterwegs. Es wird zusehens wärmer, aber der bewölkte Himmel bleibt noch. Vom Radweg habe ich meisten freien Blick zur Ostsee. Dann der erste Farbtupfer, eine junge Frau mit rotem Pullover im goldgelben Getreidefeld. Wenig später eine Distel, die einsam die etwa ein Meter hohen Rapspflanzen deutlich überragt. Am Wegesrand teilweise ein eingezäunter Streifen mit Wildblumen und –pflanzen. Dahinter dann das Getreidefeld. Das leuchtende Gelb überwiegt inzwischen in der Landschaft. Dazu grüne Buschreihen oder Bäume. Ich bin fasziniert von dieser Landschaft.

Die erste Abzweigung zum Meer verpasse ich und biege dann bei der Zweiten ab. Kurz vor dem Strand sehe ich zum ersten Mal eine Markierung des Europäischen Fernwanderweg E9. Dann bin ich wieder am Strand. Die Ostsee ist noch etwas aufgewühlt, wie ich sie schon einmal bei meiner Strandwanderung erlebt habe. Diesmal laufe ich jedoch nicht durch den Sand, sondern nehme den Radweg oberhalb des Strandes. Mich trennen nur Büsche und Wildpflanzen vom Strand und immer wieder gibt es schmale Durchgänge. Dann der nächste Farbtupfer, ein kleines Mädchen, in magentafarbener Jacke, auf den Schultern des Vaters am Strand.

Selbst als ich Kühlungsborn erreiche, dauert es noch einige Zeit, bis ich den Campingpark erreiche und weitere Zeit, bis ich endlich an der Rezeption angekommen bin. In dem riesigen Campingpark werde ich zur Wiese meines Stellplatzes gefahren. Ich verliere für Momente die Orientierung. Einen Plan habe ich nicht erhalten. Dort suche ich mir auf dem unebenen Gelände meinen Platz. Gut, das ich früh da bin. Schon kurze Zeit später kommen weitere Personen und müssen mit den Restplätzen, die mir zu uneben und steinig waren, vorlieb nehmen. Das Zelt ist inzwischen schnell aufgebaut. Routine schleicht sich ein und jeder Handgriff sitzt jetzt. Der Boden ist verdammt hart und ich quäle mich, um die Heringe in den Boden zu drücken. Den Hammer dazu habe ich aus Gewichtsgründen eingespart. Danach Rucksack rein und dort erst werden Luftmatratze und Schlafsack rausgeräumt. So kann nichts im Gras liegen bleiben.Das Aufblasen der Luftmatratze mit dem Mund erfordert schon einige Anstrengungen, doch die Pumpe musste ebenfalls aus Gewichtsgründen eingespart werden. Dann ein Foto vom Zelt und diesmal auch ein Foto mit Blick in meine Zeltsuite geschossen. Wie man sieht, sehr gemütlich und geräumig!?

Danach geht es zum in der Nähe befindlichen Supermarkt und das Abendessen und Frühstück eingekauft. Schnell finde ich mich zurecht, mein Zelt steht nicht weit vom Eingang und vom Supermarkt entfernt. Nun sitze ich draußen beim Bistro und nutze dort die einzige Steckdose zum Schreiben und Geräte aufladen.

Morgen werde ich Warnemünde ansteuern und von dort mit dem Bus nach Rostock fahren. Dort lege ich einen Pausentag ein, um den historischen Stadtkern und die Backsteingotik aus der Zeit der Hanse zu besichtigen.  

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