129. Etappe: 31. August 2013

Weißig – Schöna
Distanz: 27,1 km; Aufstiege: 844 m; Abstiege 762 m

Während des Frühstücks komme ich mit einer Hotelangestellten ins Gespräch. Sie hat gute Kenntnisse über die Sächsische Schweiz und erhalte ich eine Wanderkarte und einige Tipps für meine heutige Etappe. Sofort danach beginne ich mit den Planungen. Nachdem ich meine Route bis nach Schmilka – hier kann ich mit der Fähre übersetzen – fertig habe, beginnt die Suche mit einer Unterkunft.

Egal wo ich auch anrufe, ich bekomme nur Absagen! Auch das Fremdenverkehrsbüro kann mir nicht weiterhelfen, erhalte aber den Tipp auf der anderen Elbeseite es zu probieren. Und so beginne ich dort mit der Suche, ohne zu wissen, was mich als Finale meiner Etappe dort erwartet. Die erste Pension hat noch Plätze, rät mir jedoch es zunächst mit einer anderen Pension, am Ortsanfang, zu versuchen. Dort klappt es tatsächlich. Auf meinen Hinweis, ich bin Wanderer und weiß nicht, wann ich eintreffe, erhalte ich die Info: „Kein Problem, es hängt ein Zettel mit der Telefonnummer an der Tür.“ Jetzt wird meine heutige Etappe noch um den Weg nach Schöna, meinem Etappenziel, erweitert.

Um 11:30 Uhr verlasse ich das Hotel und bei der Ankunft an der Fähre steht bereits eine lange Schlange zum Übersetzen. Beim Ablegen der Fähre stehen wir dicht gedrängt an Deck. Die Überfahrt ist schnell vollbracht und nun muss ich im Schneckentempo mit den Menschenmassen, es kommen im Ort weitere dazu, mich durch Niederrathen quälen. Doch das erledigt sich schnell, den schon wenige 100 Meter später geht es ordentlich bergauf und hier sind plötzlich alle Personen verschwunden. Der Anstieg bis zum zwei Kilometer entfernten Waltersdorf hat es in sich. Der Schweiß fließt bei mir in Strömen. Das schöne Wetter tut sein übriges dazu. Es geht wieder an der Straße entlang, nur jetzt ist unterwegs nichts los. Ich komme an mehreren gefüllten Parkplätzen vorbei. Durch meinen späten Beginn sind die Tageswanderer bereits unterwegs und ich kann entspannt weiter bis Porschdorf laufen. Im Ort verpasse ich den Zugang zum mit einem Geländer abgetrennten Gehweg. Schon kurz danach muss ich mir das Geschimpfe der Autofahrer anhören. Ich bemühe, das Gerede zu ignorieren. Mitten im Ort laufe ich ein Stück in falscher Richtung den Berg hoch. Glücklicherweise merke ich es noch rechtzeitig. Also wieder runter und wenig später geht es über einer Treppe komplett bis ins Tal. Von dort laufe ich nun dem Kirnitztal entgegen. Begleiten tut mich ein Bach und wir schlängeln uns mal rechts mal links von der mit verlaufenden Bahntrasse. Noch heute Morgen hörte ich: „Da muss man gewandert sein.“ Ich kann mich jedoch nicht so begeistern. Liegt wahrscheinlich daran, dass ich bereits traumhaft schöne Flusstäler durchlaufen habe.

Noch im Kirnitztal vor Beuthenfall befinde ich mich wieder auf dem Malerweg und der führt mich schließlich weg vom Tal und immer höher den Berg hinauf. Ich bin auf einem normalen Waldweg und schon wieder bin ich enttäuscht. Nichts zu sehen von den massiven Sandsteinblöcken, einfach nur Weg und Wald. Auf einer Anhöhe mache ich eine Pause und wenig später kommen ziemlich fertig und keuchend ein junges Paar an mir vorbei. Wir unterhalten uns ein wenig. Der folgende Weg bis nach Altendorf führt mich an landwirtschaftlich genutzten Flächen vorbei. Nach dem Ort bin ich wieder im Wald. Jetzt wird es endlich schöner. Es geht abwärts und dann stehe ich vor einer steilen Treppe aus Felssteinen. Nicht ganz einfach für mich, der Rucksack stört hier gewaltig. Ich muss aufpassen das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Denn schon etwas vorgebeugt drückt der Rucksack mich nach vorne. Immer wieder halte ich mich an größeren Felsblöcken fest. Der Blick runter ins wildromantische schmale Tal entlohnt die Mühen. Zwischendrin eine Metalltreppe. Der erste Teil mit kurzen Trittflächen und schließlich bin ich unten fast bis zu einer Straße. Hier geht es jedoch oberhalb entlang. Dann quer ich doch die Straße über die Kirnisch zu einem Campingplatz hin. Durstig suche ich dort einen kleinen Biergarten auf und bestelle gleich zwei große Apfelschorlen.

Nach der Pause suche ich wieder den Einstieg in den Malerweg. Mein Naviweg stimmt hier nicht mit der Wirklichkeit überein. Wieder geht es heftig steil berghoch, teilweise über ein Heer von Wurzeln. Es folgt ein ausgewaschener Pfad, ebenfalls mit Wurzeln und auch mit Steinen durchzogen, weiter hinauf. Danach geht es, mal hoch, mal runter auf einem schönen Waldpfad entlang. Hier wechseln sich Nadelbäume mit Laubbäumen, meistens Buchen, ab. Dann das erste Mal wieder drei wuchtige Sandsteinfelsen, wie Finger in den Himmel zeigend, direkt neben dem Weg. Immer mehr große, über Millionen von Jahren, rundgeschliffene Felsblöcke, meist stark verwittert, liegen neben dem Wanderpfad. Mal sind sie wie ein Netz mit kleinen Löchern durchzogen. Endlich bin ich wieder im Elbsandsteingebirge angekommen und der erste Teil meiner Etappe ist schnell vergessen. Der Weg weiterhin anstrengend.

Völlig unvermittelt stehe ich plötzlich neben einen spitz zulaufenden Felskollos. Hier habe ich Platz und kann ihn fotografieren. Wenig später stößt ein junges Paar zu mir. Sie waren klettern gewesen und nun auf dem Heimweg, auch über Schmilka. So laufe ich mit ihnen. Über eine Abkürzung geht es über einen steinigen schmal Pfad nach unten ins Tal. Im Ort angekommen zeigen mir die beiden eine Quellwasserstelle. Wir trinken und füllen unsere Flaschen mit dem köstlich kalten Wasser. Dann geht es gemeinsam zur Fähre. Sie ist gerade angekommen und so setzten wir wenig später schon rüber auf die andere Seite. Hier verabschieden wir uns, sie fahren mit der Bahn weiter und ich folge für wenige Meter der Straße.Auf der gegenüberliegenden Elbseite sehe ich das flache braune Gebäude der Grenze zu Tschechien. Wenig später erreiche ich ein Wanderpärchen. Sie sind einigen Tagen auf dem Malerweg unterwegs. Nach einer schmalen Bahnunterführung trennen wir uns und nun beginnt der finale Gewaltakt hoch zum Ort Schöna. Es geht auf einem Kilometer über unebene Treppenstufen etwa 140 Höhenmeter steil nach oben.

Diese Treppe fordert zum Ausklang meiner heutigen Etappe noch mal alles von mir ab. Ich schwimme im Schweiß und muss mehrfach eine kurze Verschnaufpause einlegen. Schließlich erreiche ich das Dorf und bei der geschlossenen Pension rufe ich die angegebene Telefonnummer an. Es dauert ein paar Minuten und ich bin in meinem Zimmer. Auf ein Abendessen verzichte ich, ich will nur noch duschen und schlafen. 

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