227. Etappe: 15. Dezember 2013

Lorch – Rüdesheim
Distanz: 23,2 km; Aufstiege: 844 m; Abstiege: 762 m

Wie vereinbart kann ich um 7:15 Uhr frühstücken. Man ist sehr bemüht, mir ein reichhaltiges Frühstück zu bieten. Auch meine Spiegeleier erhalte ich. Wir unterhalten uns über den Start dieses Gästehauses, was witterungsbedingt deutlich später erst eröffnet. Neben dem Gästehaus und dem Restaurant gibt es noch das Weingut. Ich verquatsche mich und komme doch nicht so früh los, wie ich eigentlich wollte.

Erst einmal muss ich zurück Richtung Rhein und dann beginnt auch gleich der Aufstieg wieder. Schon beim Aufstieg in die Weinberge habe ich erstmals freien Blick in die Ferne. Endlich kein Nebel mehr. Lange Zeit führt der Rheinsteig entlang über Hangwege durch Weinberge oder stillgelegte Flächen. Inzwischen überwuchert mit Sträuchern und Büschen. Nur die Trockenmauern erinnern noch an den ehemals vorhandenen Weinberg.

Am Vormittag zeigt sich die Sonne hin und wieder nur durch einen strahlenden Lichtklecks hinter den Wolken. Doch gegen Mittag hat sie es geschafft und Mütze und Handschuhe verschwinden in den Jackentaschen. Nun präsentiert sich das Rheintal von seiner schönsten Seite.

Ein Schlenker tief in ein Tal und dann ein schmaler Hangpfad. Etwas schwierig zu gehen, da das Laub nur auf dem Pfad noch nass ist und nicht erkennbar ist, ob sich darunter Wurzeln oder Steine befinden. Ein paar Stellen mit Drahtseil, dann geht es schließlich über eine Treppe runter nach Assmanshausen. Aber wie das so ist, kaum habe ich den Weinort erreicht und schon beginnt wieder der steile Aufstieg. Der Weg, vorbei an einer Sesselliftanlage, führt zum Niederwald. Und der zieht sich. Schließlich ist aber das geschafft und ich erreiche die künstliche Ruine Rossel im ehemaligen Landschaftspark des Jagdschlosses Niederwald. Ein herrlicher Blick ins Rheintal bietet sich mir nun.

Von hier laufe ich weiter zum Niederwalddenkmal. Einmal zeigen Beschilderung und mein Track unterschiedliche Wege an. Ein kurzes Stück folge ich der Beschilderung, doch dann entschließe ich mich, den Weg meines Navitracks zu nehmen. Es dauert und zwischendrin kommen Zweifel, ob das noch der richtige Weg ist. Doch dann taucht auch wieder die Rheinsteigbeschilderung auf. Wenig später erreiche ich das imposante Denkmal. Viele Touristen und Ausflügler nutzen das schöne Wetter am Sonntag wohl zu einem Abstecher hier zum Denkmal. Ich kann das gut nachvollziehen. Hier bietet sich ein grandioser Blick ins Rheintal. Gegenüber der Zufluss der Nahe, unter dem Denkmal der Weinort Rüdesheim. Davor die Weinberge und auch der freie Blick bis nach Wiesbaden und Mainz. Die Sonne lässt die blattlosen rotbraunen Weinstöcke erstrahlen. Eine traumhafte Landschaft bietet sich mir hier oben. Nur das Gewusel der Touris und Ausflügler stört mich ein wenig.

Nicht weit vom Denkmal eine Beschilderung nach Rüdesheim und genau die nehme ich. Unterwegs erreiche ich eine Spaziergängerin. Mein klack, klack … stört sie offensichtlich. Dies zum Ausdruck zu bringen wendet sie ihren Blick auf die Stöcke, um dann mich vorwurfsvoll anzuschauen. Fast hätte ich gesagt: „Stopfen sie sich was in die Ohren, dann hören sie nichts mehr.“ Doch ich verkneife es mir. Ja das klack, klack kann schon stören, doch da muss sie halt durch. Außerdem bin ich mit einem viel größeren Tempo unterwegs und damit ist die Störung auch schnell vorbei.

Ich unterquere eine Brücke und begegne einem jungen Paar. Sie frage ich, ob es hier weiter nach Rüdesheim geht. So kommt es, das wir uns noch eine Weile unterhalten. Ich bleibe auf dem Weg, erreiche bald einen schmalen kopfsteingepflasterten Pfad begrenzt beiderseits durch Mauern. Dieser Weg endet schließlich bei einem voll besetzten Parkplatz in Rüdesheim.

Nun wird es für mich ungemütlich, ich muss mich in das Getümmel der Weihnachtsmarktbesucher stürzen. Mein Tempo wird nun durch die Masse Mensch bestimmt. Glücklicherweise ist es nicht mehr weit zum Hotel. Dieses liegt mitten im Weihnachtsmarktbereich.

Nach dem Duschen wage ich es nochmals auf den Weihnachtsmarkt. Für zwei Bratwürste, mein Abendessen, stehe ich einige Zeit in der Schlange. Danach schlendere ich, mehr geschoben von der Masse, durch den Markt. Als ich wieder das Hotel erreiche, flüchte ich in das leere Restaurant. Hier kann ich auch einen Apfelglühwein trinken. Nur wenn die automatische Tür sich öffnet, schallt mit voller Wucht die Musik hinein. An das muntere Treiben muss ich mich erst wieder gewöhnen. 

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