231. Etappe: 20. Dezember 2013

Mainz – Nauheim  24,2 km

Heute muss ich mich ranhalten, ich habe ein Treffen mit Marga um 12 Uhr in Nauheim im Café Ilias vereinbart. Marga hat Spätschicht und kann nur in der Zeit zwischen 12 und 13:30 Uhr. Dazu kommt, ich habe mich mit der Distanz verschätzt. Bis Nauheim muss ich ca. 22 Kilometer zurücklegen. Daher verlasse ich schon vor 8 Uhr das Hotel. Es ist noch dunkel, doch mit der Straßenbeleuchtung gibt es ausreichend Licht. Kalt ist es noch und wieder bin ich zur Theodor-Heuss-Brücke unterwegs. Nach Nauheim muss ich die Brücke wieder überqueren und rechtsrheinisch in Richtung Ginsheim-Gustavsburg laufen. Inzwischen hat der morgendliche Berufsverkehr begonnen und ich habe Schwierigkeiten die Straßenseite an der Brücke zu wechseln.

Zunächst führt mich mein Weg in der Nähe des Rheinufers entlang. Aus der Dunkelheit ist ein Dämmerlicht geworden und auf der anderen Seite erstrahlt die Mainzer Altstadt noch mit vielen kleinen Lichtern. Leider verlasse ich schon bald diese schöne Aussicht am Ufer und muss die nahe gelegenen Bahngleise überqueren. Damit entferne ich mich immer mehr vom Rhein. Schließlich erreiche ich bei Kostheim den Main und überqueren auch ihn. Ganz anders als zuvor am Rhein liegen schwere Nebelschwaden über dem Fluss und auch die Landschaft ist in Nebel getaucht. Und der nimmt beständig zu. Nach Überschreiten der Brücke habe ich Gustavsburg erreicht und laufen nun auf einem separaten Radweg an der Landstraße entlang. Wenig später erreiche ich dann auch den anderen Stadtteil Ginsheim. Es folgt Bauschheim und danach verlasse ich die Landstraße. Jetzt geht es auf Wirtschaftswegen durch die Felder. Es folgt eine Kreisstraße wieder mit separatem Radweg.

Ein Blick auf mein Smartphone zeigt mir, es wird eng mit der vereinbarten Ankunftszeit gegen 12 Uhr in Nauheim. Als ich erneut Bahngleise überquere und mich langsam Nauheim nähere, schalte ich mein Smartphone-Navi ein. Es sind noch 1,9 Kilometer bis zum Ortseingang. Dann lasse ich mich durch einen Waldweg rechts ab dazu verleiten, hierin eine Abkürzung zu sehen.

Das geht schon wenig später gehörig schief. Ich entferne mich immer mehr von Nauheim und suche mein Heil im Durchqueren einer großen Schrebergartensiedlung. Inzwischen ist es kurz vor 12 Uhr. Marga ist bereits unterwegs, erfahre ich von Walter. Sie besitzt kein Handy. „Das ist neumodischer Kram, so was brauche ich nicht“, erklärte sie mir beim letzten Telefonat. Jetzt wäre so ein Handy ganz hilfreich.

Schließlich erreiche ich mit einem deutlichen Umweg den Ortsrand von Nauheim. Dabei stoße ich direkt auf meine heutige Bleibe. Ich beziehe das Zimmer und wechsel das inzwischen durchschwitzte Unterhemd und Hemd. Ohne Rucksack eile ich weiter in Richtung Café.

Dann plötzlich läuft Marga vor mir auf der Querstraße an mir vorbei. Ich rufe Hallo, doch sie sieht nur kurz zu mir hin und geht weiter. Ich rufe nun ihren Namen und erst jetzt schaut sie mich überrascht an. Sie hat mich nach den vielen Jahren nicht mehr erkannt. Ich muss mich wohl gehörig verändert haben, ich hoffe nicht zu meinem Nachteil.

Wir gehen gemeinsam zum Café und haben uns viel zu erzählen. Ich zeige ihr Bilder von meinen Treffen in Ostfriesland mit ihrem Bruder, ihren Cousins und ihrem Elternhaus.

Nachdem wir uns verabschiedet haben, lasse ich es jetzt langsam angehen. Nun habe ich fast alle Menschen meiner Vergangenheit getroffen. Lediglich Jürgen in Dortmund, er war durch eine Tagung verhindert, Thomas in Schwabach und Sabine in Nürnberg – ihre Telefonnummer und Adresse habe ich erst unterwegs erfahren – habe ich nicht getroffen. Den Schlenker nach Nürnberg und Schwabach hatte ich erst im Bayerischen Wald gestrichen. Die verbleibende Zeit bis Weihnachten wurde immer knapper und so musste ich diese Treffen streichen.

Den Nachmittag und Abend lasse ich gemütlich ausklingen. Hänge abends noch einige Zeit vor der „Glotze“, ehe die letzte Nacht anbricht. 

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