30. Etappe: 30. April 2013

Beelen – Telgte  32 km

Meine heutige Etappe beginnt mit bewölktem Himmel, nur vereinzelt kommt die Sonne durch. Schon nach wenigen Minuten erreiche ich die B64 mit separatem Radweg. Spontan entscheide ich mich um Kilometer einzusparen, weiter an der Bundesstraße zu laufen. Ich weiß, dass heute eine lange Etappe ansteht. Doch schon nach ein paar Hundert Meter hört der Radweg auf. Die Straße ist aber viel zu stark befahren, als das ich hier auf der Fahrbahn laufen könnte. Glücklicherweise gibt es eine kleine Straße, die rechts abbiegt und nach meinem Navi bald wieder auf meiner Route mündet.

Ich komme schon seit ein paar Tagen immer wieder an Holz- oder Betonkreuzen vorbei. Nicht nur, dass sie an Weggabelungen stehen, oft sehe ich sie auch bei Einfahrten zu Bauernhöfen. Man merkt die Nähe zum katholischen Münster.

Ich erreiche meine geplante Route wieder und der Weg verläuft im leichten Zickzack mit etwa 400 Meter Abstand zur B64. Mehrfach gehe ich an Plakaten und Spruchbändern vorbei. Hier ist eine Neubaustrecke der B64 geplant. Ich kann gut verstehen, dass man diese Straße hier nicht will. Viel Natur wird damit vernichtet.

Bei einem Bauernhof scheuche ich eine Wachtel auf, die ins Feld flüchtet. Kaum später beobachte ich einen Fasan und kann ihn auch fotografieren. So viele Fasane, wie ich in den letzten Tagen beobachten konnte, habe ich noch nie gesehen. Zu allem Überfluss schrecke ich auch noch einen Hasen auf. Der hoppelt im Zickzack über das Feld und hört erst auf, als ich ihn nur noch undeutlich erkennen kann.

Bei einer Schlepperwerkstatt mit Ausstellung von alten Motoren sehe ich ein Ausschankschild. Ich betrete den Hof und frage den anwesenden Mann nach einem Kaffee. Es ist heute geschlossen, ein Kaltgetränk kann ich jedoch haben. Bei einer Apfelschorle kommen wir ins Gespräch. Er ist mal mit einem Traktor 3000 Kilometer gefahren, wandern, das hat er noch nicht sehr lange.

Gegen 13 Uhr erreiche ich das Industrie- und Gewerbegebiet von Warendorf. Auf einem an der Straße abgestellten Anhänger mache ich eine Pause. Danach geht es noch lange im Industriegebiet weiter. Dann folgt der Vorstadtbereich mit seinen adretten Häusern und Vorgärten. Kaum ein Haus hat hier Putz. Ich sehe fast nur Verklinkerung, meistens in rotbraunem Ton.

Natürlich gibt es heute wieder schnurgerade Teilabschnitte, doch werden sie häufig durch Bögen und Abknickungen unterbrochen. Weiterhin sehe ich viel Pferde auf den Weiden und zum ersten Mal auch ein paar Rinder.

Fast genau um 17 Uhr komme ich an einer kleinen Siedlung vorbei und eine alte Frau spricht mich an. Sie will wissen, wohin ich noch laufe. Als ich Telgte sage, erwidert sie: „Oh, dann haben sie ja noch 18 Kilometer vor sich.“ Ich schrecke auf und erwidere: „ Nach meinem Navigationsgerät müssten es nur ca. 8 Kilometer sein.“ Sie bleibt bei ihrer Aussage und ich werde leicht nervös. Acht Kilometer sind überschaubar, aber achtzehn Kilometer um 17 Uhr sind ziemlich heftig. Mein Schritt wird automatisch schneller und ich beginne, die nachmittags gemachte Buchung als Fehler zu betrachten. Dann nähere ich mich einer Schutzhütte und finde dort Richtungspfeile mit Kilometerangaben. Bis Telgte sind es noch 9,1 Kilometer. Meine Erleichterung ist groß. Zur Sicherheit rufe ich bei der Zimmerwirtin an und warne sie schon mal vor, dass es noch etwa 2 ½ Stunden werden kann.

Mein weiterer Weg führt mich zunächst wieder durch Felder. Ich komme nun sehr dicht an mehreren Windkrafträdern vorbei. Sie drehen sich, doch hören tue ich nichts davon. Sofort fällt mir ein Windkraftrad im Schwarzwald bei meiner Pilgerreise ein. Dieses sah ich zunächst wegen des dichten Nebels nicht. Je näher ich kam, um so lauter hörte ich ein undefinierbares Geräusch. Erst unmittelbar davor, wusste ich, was es war.

Die letzten fünf Kilometer laufe ich wieder auf einem Radweg neben der Straße. Meine Füße brauchen eine Pause, ich setze auf dem Boden und lehne mich an einem Baum. Neugierige Blicke der Autofahrer beobachten mich. Die Pause ist kurz, ich muss weiter, es ist bereits nach 19 Uhr.

Endlich erreiche ich den Ort und schaue mir den Weg auf meinem Smartphon-Navi an. Erschreckt stelle ich fest, meine Unterkunft liegt außerhalb des Ortskerns. Ich rufe wieder an und hoffe es kommt der Satz: „Warten sie dort, ich hole sie ab.“ Leider Fehlanzeige, ich bekomme eine genaue Beschreibung des weiteren Weges.

Also weiter, ab der Kirche im Ortskern geht es neben der nun schon größeren Ems entlang. Dann endlich erreiche ich kurz nach 20 Uhr meine Pension. Ich habe kein Zimmer, sondern eine komplette Ferienwohnung. 

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