41. Etappe: 15. Mai 2013

Meppen – Lathen  30,8 km

Vermutlich holt mich gegen 5 Uhr der Lichteinfall durch die große Glastürfront aus dem Schlaf. Einen tiefen Schlaf hatte ich im Heu nicht und trotzdem werde ich es, wenn möglich, wiederholen. Etwas unterkühlt war ich gestern Abend mit Unterkleidung und Strümpfen in meinen Seideninlett und dann in den Schlafsack gekrochen. Diesen dann auch noch komplett geschlossen. Ich hatte von meinem ersten Schlafsackeinsatz im Zelt gelernt und diesmal war es kuschelig warm. Doch auf der Wohlfühlskala reicht es trotzdem nur für den unteren Bereich, ein Mumienschlafsack ist nun mal ziemlich eng.

Das Frühstück entspricht ganz meinen Erwartungen an ein Bauernfrühstück mit reichlicher Auswahl. Dazu zwei gekochte Eier von glücklichen freilaufenden Hühnern. Bauer und Bäuerin leisteten mir Gesellschaft und schnell kamen wir ins Gespräch. Beide schon im fortgeschrittenen Alter, betreiben den Ferienhof mit Pferden noch alleine. Die Söhne kümmern sich um die Landwirtschaft.

Der heutige Tag beginnt vielversprechend mit blauem Himmel, ein paar Wolken und viel Sonne. Nach zwanzig Minuten durch den Randbezirk von Meppen bin ich wieder am Emskanal. Schon wenige Minuten später unterhalte ich mich mit einer Hundebesitzerin und wir laufen ein Stück gemeinsam am Kanal entlang. Mit ihr biege ich vom Kanal weg in den Wald und dann trennen sich wieder unsere Wege.

Nach einiger Zeit erreiche ich wieder die Ems oder den Emskanal, so genau weiß ich das nicht. Auf einer Bank mache ich eine Pause und ein Hundebesitzer mit zwei kleinen Hunden kommt mir entgegen. Er fragt mich nach dem Wohin und dem Woher und so kommen wir ins Gespräch. Von ihm erfahre ich dann, dass ich an einem alten Emsarm sitze. Nach einer längeren Unterhaltung begebe ich mich wieder auf den Weg. Doch schon bald bin ich unsicher, ob ich dem Kanal weiter folgen soll, denn mein Navi zeigt mir ein Abbiegen und Verlassen der Ems. Einen herankommenden Nordic Walker befrage ich nach dem Weg und so gehe ich mit ihm in Richtung meiner Navianzeige. Dabei kommen wir über das Nordic Walking ins Gespräch und es folgt ein kurzer Crashkurs durch mich während unseres gemeinsamen Weges.

Meine Route führt mich einige Zeit weg von der Ems. Dann erreiche ich eine Brücke, die über die Ems führt. Noch davor befindet sich ein schöner Rastplatz. Ich mache Pause und genieße um mich rum das Gezwitscher der Vögel und das Plätschern eines kleinen Bachs, der ein Stück weiter in die Ems mündet. Nach dem Überqueren der Ems befinde ich mich im Paradies, dem Borkener Paradies, einem Naturschutzgebiet. Ich wandere mittendurch und sehe nichts mehr von der Ems.

Aber auch das geht vorbei und ich erreiche wieder den Dortmund-Ems-Kanal. Zunächst auf der linken Seite, später dann auf der rechten Seite führt mein Weg mich am Kanal entlang. Langsam verspüre ich Hunger und das Bedürfnis nach einer Pause. Nicht weit nach einer Schleuse entdecke ich ein kleines geöffnetes Café und kehre dort ein.

Weiter geht es am Kanal entlang. Schon von Weitem erkenne ich Industrieanlagen und mir wird klar, es kommt ein Hindernis. Als ich näherkomme, entpuppen sich die Industrieanlagen als Umschlagplatz und Hafen. Ein nicht zu überbrückender Abzeig des Kanals zum Eurohafen Emsland versperrt mir den Weg. Ich muss am Zaun entlang in Richtung des Hafens laufen und zu allem Übel auch wieder zurück in Richtung Schleuse. Der Weg führt weiter zu einer Straße und ich überquere diese. Nach meinem Navi entferne mich immer mehr vom Kanal.

Es ist bereits 17 Uhr und ich erreiche Emmeln, ein Ortsteil von der Stadt Haren. Es wird Zeit eine Bleibe für heute Nacht zu finden. Viel Auswahl habe ich nicht und finde auch ein Hotel, das zwar außerhalb von Lathen liegt, aber dafür genau auf meiner geplanten Route. Diese hatte ich vor längerer Zeit bereits verlassen. Der Radweg hatte einen Schlenker weg vom Kanal gemacht und ich bin geblieben. Um 17:30 Uhr komme ich an einem Schild mit der Angabe 9 km bis Lathen vorbei. Ich entschließe mich für diese Straßenvariante, nicht bedacht, dass ich nun wieder auf einem schnurgeraden Radweg laufen muss.

Ich spüre immer mehr meine Füße und das geradeaus Laufen macht mich mürbe. Ich hasse diese Geraden und doch muss ich mich damit arrangieren, denn in Ostfriesland werde ich noch viele lange Geraden laufen müssen. Inzwischen drückt auch der Rucksack und ich habe das Gefühl Blei mit mir rum zu schleppen. Zusätzlich habe ich heftige Verspannungen am Nacken und das Dehnen nützt inzwischen nichts mehr. Mehrfach halte ich am Straßenrand an und lege mich für eine Pause ins Gras.

Nur zähe vergehen die Kilometer, und obwohl ich immer wieder reizvolle Landschaften sehe, steht mir der Sinn nicht mehr nach Fotografieren. Ich will nur noch das Hotel erreichen. Dann biege ich weg von der Straße auf einen Wirtschaftsweg und durchquere Felder. Endlich sehe ich in der Ferne einen Kirchturm. Dieser muss zu Lathen gehören. Als ich mich immer mehr dem Kirchturm nähere, höre ich ein Geräusch. Es ist anders als von Autos oder Trecker und zunächst nicht zu lokalisieren. Dann erkenne ich durch Büsche und Bäume einen großen blauen Lastkahn. Ich bin wieder am Kanal und habe es eine längere Zeit überhaupt nicht mitbekommen.

Nun ist es nicht mehr weit, ich kann das Hotel bereits sehen und daneben ein Wohnmobilstellplatz. Um 19:30 Uhr und nach über 10 Stunden unterwegs sein, komme ich im Hotel an. Nach einer heißen Dusche gönne ich mir ein Spargelgericht und bin inzwischen recht schaffend müde. Das Schreiben des Berichts fällt heute aus.

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