147. Etappe: 19. September 2013

Neustadt – Leuchtenberg
Distanz: 26,1 km; Aufstiege: 828 m; Abstiege: 610 m

Schon nach dem Aufstehen werfe ich einen Blick aus dem Fenster. Die Straße unter mir ist trocken. Doch während des Frühstücks muss es geregnet haben, denn als ich starte, ist die Straße wieder nass. Mit halb angezogenem Poncho beginne ich die zweite Hälfte der 4. Goldsteigetappe.

Neustadt habe ich schnell durchquert und über einige Anstiege am Stadtrand erreiche ich schließlich den Goldsteig. Es geht durch den Wald und dann längere Zeit am Waldrand entlang. Ich befinde mich auf einer Anhöhe und habe einen herrlichen Panoramablick in die schöne Landschaft des Oberpfälzer Waldes. Die grauen Regenwolken überwiegen noch, doch auch weiße Wolken und blauer Himmel sind vorhanden. Noch ist der Blick in die Ferne durch Nebel und Dunst getrübt, doch auch das hat seine Reize. Die Wege wechseln, mal ist es ein Feldweg, mal ein Wirtschaftsweg und mal ein Waldweg. Bei den Waldwegen laufe ich auf breiteren Wegen und dann wieder auf wurzelreichen Abschnitten. Bei den wurzelreichen Abschnitten gibt es immer wieder Stellen, auf denen es sich wie auf Watte geht. Hier liegt eine dicke Schicht Nadeln und der schwingende Boden macht das Laufen zu einem Traum. Leider werde ich immer wieder durch Wurzeln ins reale Leben zurückgeholt. Ich genieße heute das Unterwegssein. Es ist abwechslungsreich mit vielen herrlichen Momenten eines Panoramablickes.

Bei einem Weg abwärts Richtung eines kleinen Dorfes kommt die Sonne hinter den Wolken hervor und bescheint ein abgeerntetes Getreidefeld und die dahinter liegende Wiese. Das Getreidefeld erstrahlt zu einem Goldgelb und die Wiese dabei zu einem saftigen Hellgrün. Alles andere ist mehr oder weniger weiterhin im Schatten eingetaucht. Diese Momente sind sehr kurz und ich beobachte fasziniert dieses Licht – und Schattenspiel. Manchmal wechseln die Momente innerhalb einer Minute. Auf meinem weiteren Weg überrascht mich dann ein mitten in der Landschaft stehender Streifen Schilf, diesen habe ich hier nicht erwartet.

Schon von Weitem sehe ich zwei Kirchen, die eine eher unscheinbar und die andere protzig mit großem Zwiebelturm. Im Ort Wilchenreuth führt mich der Weg direkt zur großen Kirche. Zuvor versuche ich die kleine und ältere evangelische Kirche zu besuchen. Sie sollte laut Aushang offen sein, doch sie ist versperrt. In die größere katholische Kirche kann ich eintreten, doch dort versperrt mir ein Gittertor den Eintritt zu den Bänken und dem Altar. Kaum bin ich wieder draußen, fängt die kleine Kirche an zu läuten und wie im Wettstreit um die Gunst der Gläubigen, folgt dann die größere. Der Weg führt unmittelbar hinter der katholischen Kirche über eine Wiese zu einer Anhöhe. Ich blicke noch einmal zurück. Wuchtig steht der Zwiebelturm da und verschämt lugt klein dahinter der Kirchturm der evangelischen Kirche hervor.

Gegen Mittag erreiche ich den Ort Theisseil und mache in einem gut besuchten Landgasthaus meine Mittagsrast. Danach geht es wieder durch Wälder oder am Waldrand entlang. Immer wieder habe ich einen herrlichen Fernblick. Gegen 17 Uhr entscheide ich mich bei Roggenstein nicht mehr auf dem Goldsteig zu laufen, sondern für die kürzere Variante über die Straßen. Etwa drei Kilometer vor Leuchtenberg sehe ich den Ort hoch oben auf einem Berg thronen. Die letzten Kilometer bis zum Ziel sind nochmals anstrengend.  

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