166. Etappe: 11. Oktober 2013

Burghausen – Pietling (Fridolfing)  25,9 km

Schon der erste Blick aus dem Fenster besagt nichts Gutes und sofort am Eingangsbereich des Hotels ziehe ich den Poncho halb an. Zunächst laufe ich in der Neustadt an der B20 entlang. Dann führt der Fuß- und Radweg weg von der B20 und ich folge ihm. Es geht aufwärts und ich erreiche die Burg zu Burghausen. Ein lang gezogener Komplex. Zur Sicherheit frage ich eine Passantin, ob ich auch am anderen Ende der Burg diese in Richtung Salzach verlassen kann. Und dies wird mir bestätigt. Vom Vorburgbereich habe ich bereits einen herrlichen Blick auf den Wöhrsee und auf die Salzach mit der angrenzenden Altstadt. Ihre prächtigen und farbenfrohen Fassaden sind unübersehbar. Nach fast einem Kilometer nähere ich mich dem Kernbereich der Burg und der Treppe zur Altstadt.

Am Ende des Abstiegs betrete ich direkt die Prachtstraße der Altstadt. Für eine Weile schlendere ich noch durch ein paar Gassen, dann geht es zu meiner heutigen Route an der Salzach entlang.

Die Straße verläuft genau neben der Salzach und wird durch eine etwa 80 Zentimeter hohe Mauer begrenzt. Sofort fällt mir die leicht türkisgrüne Farbe auf, noch mehr jedoch beeindruckt mich die sehr hohe Fließgeschwindigkeit. In den Bäumen, die direkt am Ufer stehen und mit ihrer Baumkrone die Mauer überragen, hängen deutliche Reste aus der Überschwemmung im Frühjahr. Ich frage ein paar Leute vor einem Café nach der Überschwemmung. Auf deutscher Seite ist es noch gut gegangen, das Wasser stand bis zur Mauer, doch auf der österreichischen Seite waren einige Häuser am Hang bis zum Erdgeschoss unter Wasser. Die Überschwemmung war hier nur kurz.

Nach einigen Hundert Metern verlasse ich die Straße und bin auf einem Kiesweg und stellenweise auf einem betonierten Weg unmittelbar neben der Salzach. Aus dem leichten Nieselregen ist inzwischen ein mittelprächtiger Dauerregen geworden. Es geht offensichtlich so weiter, wie es gestern aufgehört hat. Nur in Stadtnähe begegnen mir ein paar Jogger und Gassigeher, dann wird es zunehmend einsamer.

Je weiter ich an der Salzach entlang laufe, um so schöner wird die Landschaft. Passend dazu hat es inzwischen wieder aufgehört zu regnen. Der herbstliche Laubwald auf österreichischer Seite lenkt meine Blicke unaufhörlich dorthin. Die Gelb- und Rottöne sind ein Hingucker, aber auch die Vielfalt der Grüntöne haben ihre Reize. Auf mich wirken viele Äste mit ihren Zweigen und Blättern wie kleine farbige Wolken.

Schon von Weitem erkenne ich an der Reaktion des freilaufenden Hundes, das eine Attacke bevorsteht. Doch die Hundebesitzerin merkt offensichtlich nichts davon. Und dann startet er auf die merkwürdig herankommende blaue Gestalt los. Ein lautes Gebell begleitet ihn und kurz vor mir bleibt er mit seinem dicken Kamm stehen. Dann kommt die Hundebesitzerin heran und ich höre den immer wieder gleichen Satz: „Der tut nichts.“ Als ich das höre, werde ich ärgerlich und erkläre ihr, dass sie ihren Hund nicht im Griff hat und noch nicht einmal die eindeutigen Signale ihres Hundes bemerkt hat, als ich mich nähere. Tut nichts ist abgedroschen, ihr Hund kann sehr wohl zuschnappen. Ich habe keine Angst vor ihm, doch wenn er sich noch weiter aggressiv mir genähert hätte, hätte er meine Stockspitzen zu spüren bekommen. Schnell schnallt sie den immer noch bellenden Hund an und muss ihn mit einiger Kraft von mir wegziehen.

Immer wieder sehe ich die Spuren der Überschwemmung. Dann erreiche ich einen kleinen Weiler und das Hinweisschild, dass ab jetzt der Weg naturbelassen ist und man auf eigener Gefahr dort läuft. Zunächst geht es noch eine Weile auf einer Betonpiste entlang, dann erreiche ich den angekündigten naturbelassenen Pfad. Nun beginnt ein schmaler Traumpfad durch Waldgebiet. Zeitweise habe ich rechts die Salzach und links Tümpel oder kleine Rinnsale. Auf und ab führt dieser Pfad, häufig auf einem wundervoll federnden Waldboden. Leider endet nach ein paar Kilometer dieser Traumpfad. Ich erreiche einen breiten kurz zuvor vom Schlamm der Überschwemmung freigeräumten Weg. Beiderseits des Weges türmen sich die freigeräumten Schlammreste und die Spuren der Überschwemmung. Durch den vielen Regen versinke ich immer wieder im matschigen Untergrund. Das Laufen wird zusehens beschwerlicher.

Nach nun zwei Stunden Marsch sehne ich mich nach einer Bank oder auch nur nach einer Sitzmöglichkeit. Doch Fehlanzeige, entweder sind die Bänke unter Schlamm begraben oder es gibt sie hier nicht. Alternativen habe ich auch nicht, auf den wenigen Baumstümpfen liegen kleine Schlammhügel. Immer mehr drückt nun der Rucksack und die schöne Landschaft wird zur Nebensache. Dann nach über 2 ½ Stunden sehe ich einen kleinen sauberen Stein und sofort entledige ich mich vom drückenden Rucksack. Der Poncho liegt im Dreck und darauf der Rucksack. Mir egal, Hauptsache ich kann ohne Rucksack eine Pause machen. Der weiche Bodenbelag hat mir zu Schaffen gemacht.

Danach geht es mir wieder besser und ich erreiche wenig später Tittmonig. Hier mache ich auf einer Bank auf einem Spielplatz eine weitere Pause. Danach geht es am Ortsrand entlang, ein Stück an der B20 mit Radweg und schließlich biege ich auf eine kleine Kreisstraße nach Pietling, meinem Etappenziel, ab. Langsam beginnt der Sonnenuntergang und es bieten sich einige farblich schöne Momente. Auch sehe ich auf meiner Wanderschaft zum ersten Mal die schneebedeckten Alpen in der Ferne. Dann erreiche ich den Gasthof direkt an der Hauptstraße gelegen.  

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