181. Etappe: 28. Oktober 2013

Rottenbuch – Lechbruck
Distanz: 21,1 km; Aufstiege: 341 m; Abstiege: 418 m

Als ich mein Privatquartier im Klosterhof verlasse, ist der Himmel bewölkt und dicke Regenwolken verkünden ungemütliches Wetter. Ein Stück laufe ich auf der Straße, bevor ich dies in einem Dorf verlasse und auf einem Wirtschaftsweg unterwegs bin. Nun geht es ordentlich aufwärts und ich komme ins Schwitzen. Es ist recht warm, anders als vorhergesagt. Meine Zimmerwirtin meinte, es sind vielleicht noch die Reste des Föns vorhanden. Schnell verstaue ich unterwegs meine Jacke im Rucksack.

Von der Ferne sehe ich eine Kirche hoch auf dem Berg und darunter ein Dorf. Mit Blick auf die Alpen und dem Dorf mache ich meine erste größere Pause. Hier wechsel ich auch meine Oberbekleidung und ziehe wieder das T-Shirt an. Kaum zu glauben, aber die Sonne scheint sich nochmals gegen den nahenden Spätherbst aufzubäumen. Mich treffen herrlich warme Strahlen. Der Himmel ist fast bayerisch weißblau. Als ich Jürgen in Ostfriesland anrufe, kann er es kaum glauben. Bei ihnen tobt sich gerade ein Sturm aus.

Beschwingt von diesem traumhaften Herbsttag laufe ich dem Ort Wildsteig im romantischen Pfaffenwinkel entgegen. Durchschreite den Ort und klettere einen kurzen Anstieg zur Kirche hinauf. Was ich zunächst als Wieskirch vermutet hatte, entpuppt sich als Ortskirche, leider verschlossen. Die Wieskirche ist noch 4,4 Kilometer entfernt. Zwei Frauen begegnen mir suchend. Auf meine Frage, ob sie den Weg zur Wieskirche suchen, verneinen sie. Sie suchen verzweifelt nach einem WC. Ja diese Probleme sind mir bestens bekannt J.

Unterwegs erreiche ich den kleinen Weiler Holz und dort eine kleine Kapelle. Davor im Boden eingelassen die Jakobsmuschel mit der Entfernungsangabe nach Santiago. Wie zur Begrüßung des Jakobspilgers läutet sie.

Nach Holz erreiche ich eine weitläufige Ebene umgeben mit Wald und zwei junge Frauen kommen mir entgegen. Sie sind für vier Tage unterwegs. Leider habe ich den Namen ihres Pilgerweges vergessen. Beide wollen einmal eine mehrtägige Wanderschaft erfahren. Wir unterhalten uns auch über den Jakobsweg in Spanien. Dann verabschieden wir uns und gehen unserer Wege.

Es dauert noch, bis ich endlich in der Ferne die Wieskirche, inzwischen ein UNESCO-Weltkulturerbe, sehe. Vor mir biegt ein Paar auf meinen Weg ein. Mehrfach drehen sie sich nach mir um. Vielleicht auch ein Pilgerpaar. Schließlich bleiben sie stehen und ich erreiche sie. Die Frau erkenne ich zunächst nicht. Es ist eine der beiden Frauen, die mir in Wildsteig begegnet ist. Das Paar wartete auch nicht auf mich, sondern auf weitere Personen einer Wandergruppe. Sie sind auf einer selbst zusammengestellten Wandertour.

Als ich die Wieskirch erreiche, bin ich beeindruckt von ihrer Größe und so alleine mitten in der Landschaft. Ich hatte die Kirche nicht so groß in Erinnerung. Der Innenraum ist von beeindruckender Schönheit.

Auf dem weiteren Weg durchschreite ich ein beginnendes Hochmoorgebiet. Der Weg führt über Holzstegen. Schließlich erreiche ich Steingaden und nutze im Ort auch die „Romantische Straße“. Bei einem Dönerimbiss mache ich eine Essenspause und sehe, dass die Orte Garmisch Partenkirchen, Oberammergau und Füssen in greifbarer Nähe liegen.

Ab Steingaden verlasse ich meine Route und bleibe an der Straße bis nach Lechbruck. Nach dem Ortsschild überschreite ich den Lech und bin nun im Ostallgäu angekommen. Das Gästehaus ist schon von der Brücke aus sichtbar. Im Briefkasten, wie vereinbart, liegt jedoch nicht der Schlüssel. Gerade als ich telefonieren will, kommt mir eine ältere Frau aus dem Garten entgegen. Sie ist die Zimmerwirtin. Mein Zimmer liegt im zweiten Stock und ist ein gemütlicher Raum. Das Duschbad im im Zimmer ist hinter einem Vorhang versteckt.  

 

 

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