74. Etappe: 29. Juni 2013

Flensburg – Süderschmedeby  25,6 km

Um 6 Uhr ist die Nacht und der angenehme Schlaf zu Ende. Kurz danach gehen wir zum Waschen ins Klubgebäude. Es nieselt bereits wieder und ist fast windstill. Im Anschluss daran packe ich meinen Rucksack. Ingolf fotografiert mich im Regen an der Segeljacht und wir begeben uns zum Frühstück wieder ins Klubgebäude.

Da Ingolf zunächst mit der Regattavorbereitung und schließlich mit der Verschiebung beschäftigt ist, warte ich seine Rückkehr ab. Dann verabschiede ich mich und erhalte noch den Tipp nicht auf der Straße, sondern etwas weiter am Hafen und dann über die Treppen hoch zur Stadt zu laufen. Ich bin von Anfang an wieder mit dem Poncho unterwegs. Es hat sich inzwischen eingeregnet und Bindfäden von Wasser prasseln auf mich nieder. Mein Weg durch Flensburg ist ein Auf und Ab. Zum Aufwärmen, denn es sind nur 12 Grad Außentemperatur und Dauerregen, gehe ich ins Bahnhofsgebäude und trinke dort einen Kaffee. Zunächst bin ich allein, dann aber kommt eine Gruppe Dänen auf dem Weg nach Düsseldorf ins Café. Sie sind auf einer Studienreise und gehören zu einem Deutschkurs in Kopenhagen.

Unmittelbar nach dem Bahnhof erreiche ich über einen kleinen Pfad, einigen Treppenstufen und einer Brücke über die Bahntrassen den Europäischen Fernwanderweg E1.

Der Europäische Fernwanderweg E1 beginnt in Umbrien in Italien und verläuft bis zum Nordkap, dem nördlichsten Punkt des europäischen Festlandes. Seine Gesamtlänge beträgt 4900 Kilometer, davon 1900 Kilometer in Deutschland. Es werden dabei die Länder Norwegen, Schweden, Dänemark, Deutschland, Schweiz und Italien durchquert. Noch nicht alles ist bisher gut markiert mit dem schwarzen Kreuz auf weißem Hintergrund.

Nach der Brückenüberquerung und einer Biegung befinde ich mich hinter dem Bahnhofsgelände sofort im Grünen. Dort bleibe ich auch einige Zeit, dann erreiche ich das Industriegebiet von Jarplund. Hier will mich der GPS-Track auf einen Weg schicken, den es zumindest jetzt nicht mehr gibt. Ich stehe vor einem verlassenen Grundstück mit hoch wucherndem Gras und mit einem Zaun davor. Also zurück und der Straße folgend. In diesen Momenten ist ein Navi ein segensreiches Instrument. Schon nach etwa einem Kilometer biege ich wieder ins Grüne ein. Der Regen hat endlich aufgehört und ich habe vor mir ein Paar, welches ich nach einiger Zeit erreiche. Der Mann spricht mich an und wir kommen ins Gespräch. Dabei fotografiert er mich gekonnt mit seiner Frau. Von ihm erfahre ich von einem Megalithgräberfeld in der Nähe. Er beschreibt mir auch den Weg dorthin und so verlasse ich den E1, um sicherzugehen, dass ich auch zum Gräberfeld finde, und laufe auf der Kreisstraße weiter.

Kurz vor dem Sankelmarker See kommt bereits das Hinweisschild zu den Gräbern. Ich biege ab und erreiche nach 100 Metern den Arnkiel-Park in Munkwolstrup bei Oeversee mit einem wiederhergestellten Großsteingrab und viel Information dazu.

Auf dem Parkgelände befinden sich ein Rundhügel und sechs Großsteingräber. Eines der Hünengräber wurde rekonstruiert. Diese Megalithanlage wurde von der Trichterbecherkultur um 3500 und 2800 v. Chr. errichtet. Dank des Magisters, Propst und Altertumsforschers Troels Arnkiel (1638-1712) mit seiner Beschreibung von 1690 auf seiner Ochsenweg-Wanderung, kennt man den damals noch erhaltenen Zustand der Anlage. Im 18. Und 19. Jahrhundert wurden die Steine der Gräber für den Straßenbau, einem Österreichdenkmal und beim Wiederaufbau des um 1788 durch Brände fast zerstörten Dorfes Munkwolstrup verwendet.

Nach der Besichtigung bleibe ich auf der Kreisstraße, denn dieser Weg ist kürzer und die Zeit vorangeschritten. Ich tangiere den Ort Oeversee und komme an einem historischen Krug (= ländlicher Gasthof) mit reetgedecktem Dach aus dem Jahr 1519 vorbei. Heute ein Hotel der gehobenen Klasse.

Weiter unterwegs sehe ich weitere reetgedeckte Häuser in einem bisher mir noch nicht bekannten Stil. Die Dächer dieser Gegend haben auf dem Heidekrautaufsatz noch kurze sich am First kreuzende Balken.

Dann wechsel ich etwa zwei Kilometer vor dem Ziel auf einen kleinen Weg, der nach einer schadhaften Asphaltdecke in ein gut erhaltenes Kopfsteinpflaster wechselt. Ein Mann mäht gerade den grünen Randstreifen mit einem Rasentraktor. Er spricht mich an und will das Woher und das Wohin wissen. Natürlich auch meine heutige Bleibe. Als ich den Namen Hansen sage, ergänzt er sofort mit „Galerie Hansen“. Gleichzeitig bietet er mir für den Notfall auch ein Bett bei sich an. Von ihm erfahre ich, dass ich mich auf dem über 100 Jahre alten Ochsenweg befinde. Früher wurde dieser Weg für den Viehtrieb genutzt.

Mit der Beschreibung zur Galerie Hansen setzte ich meinen Weg fort und erreiche die beschriebene Straße. Nur finde ich kein Haus mit einer Katze auf dem Dach und der Hausnummer 9. Dies hatte mir meine Zimmerwirtin am Telefon beschrieben. Ich suche weiter in diesem verschlafen kleinen Ort und muss an einem großen Wohnwagen vorbei. Dieser wird gerade über eine Fernsteuerung rangiert. Der Mann des Wohnwagens spricht mich an und fragt mich gleich aus. Ich gebe ihm bereitwillig Auskunft und erfahre, dass er ein pensionierter Berufsoffizier ist. Da er an meiner Reise interessiert ist, gebe ich ihm meine Visitenkarte mit der Blogadresse. Auch er beschreibt mir den Weg zur Galerie und ich erkläre ihm, dass ich dort bereits war und die angegebene Straße dort nicht ist. Kein Problem für ihn, er beschreibt mir den Weg zu dieser Straße. Vermutlich habe ich rechts und links vertauscht und stehe kurz danach auf der beschriebenen Straße, jedoch ohne das Haus zu finden. Nun rufe ich bei meiner Zimmerwirtin an und sie will zur Straße kommen. Ich warte und einige Zeit vergeht, keine Zimmerwirtin taucht auf. Nun begebe ich mich wieder auf die Suche und ein Fahrzeug kommt auf mich zu. Es ist meine Zimmerwirtin und sie hat mich inzwischen mit dem Auto im Ort gesucht.

Nach meiner Ankunft bereitet sie mir Bratkartoffel zu und beim Essen unterhalten wir uns noch einige Zeit. Sie hat bereits ein sehr bewegtes und interessantes Leben hinter sich und ist nun in Rente oder Pension. Sie muss nach dem Essen weg, und ich beginne im Esszimmer meinen Bericht zu schreiben. Doch müde von der kurzen Nacht gehe ich ins Bett und setzte dort zunächst mein Schreiben fort. Dabei schlafe ich ein. 

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