117. Etappe: 18. August 2013

Guben – Forst (Lausitz)  31,3 km

Von der Pension aus muss ich quer durch Guben, bevor ich den Deich an der Neiße erreiche. Für ein kurzes Stück ist die Neiße sichtbar. Deutlich schmäler als die Oder, aber mit deutlich höherer Fließgeschwindigkeit. Dann versperren mir Schilf, Büsche und Bäume am Ufer wieder die Sicht auf den Fluss. Der Himmel ist bewölkt mit blauen Anteilen und die Sonne findet gelegentlich ihren Weg hindurch.

Der Deich führt mehr oder weniger dicht am Fluss entlang. Nur eine Wiese trennt mich von der Neiße. Mal geht es durch ein Wäldchen, mal laufe ich an abgeernteten Getreidefeldern vorbei. Leider begleitet mich auch die Straße für längere Zeit, die unmittelbar neben dem Deich entlang führt. Die Verkehrsgeräusche finde ich störend.

Wieder einmal verlässt der Deich glücklicherweise die Straße und plötzlich im Abstand von ca. 50 Metern steht zwischen Büschen am Ufer ein großer dunkelgrauer wolfsähnlicher Hund oder Wolf. Aufgeregt hole ich meine Kamera raus, doch dann hat er wohl Witterung von mir aufgenommen. Schaut für einen Moment in meine Richtung und flüchtet dann vor mir über den Deich auf ein abgeerntetes Getreidefeld. Kurz vor dem dahinter liegenden Maisfeld wird er wieder langsamer und verschindet im Mais. Genau in diesem Moment erwische ich ihn noch mit meiner Kamera.

Irgendwann laufe ich vor dem Deich und die Straße führt auf dem Deich entlang. Jetzt ist die Neiße eingebettet zwischen den Deichen auf polnischer und deutscher Seite in eine relativ schmale Wiesenlandschaft. Vor mir taucht eine teilweise zerstörte Betonbrücke auf. Die Zerstörung scheint aus der Zeit des 2. Weltkriegs zu stammen. Auf deutscher Seite gibt es keine Trümmer mehr. Die Reste des Brückenbeginns sind noch vorhanden und bei ihm mache ich eine Rast. An der Brücke befestigt eine Metallleiter mit Geländer und Radspur. Das Geländer auf der Brücke fehlt jedoch. Man kann aber über die Brücke die Neiße überqueren. Denn einen Moment später kommt ein Radler angefahren. Er steigt ab und betrachtet die Leiter und kehrt wieder um.

Mit der Zeit wird das Laufen an der Neiße ruhiger und die Straße verschwindet aus meinem Blickfeld. Irgendwann ist es sogar völlig ruhig. Bei einem alten Wasserwerk angekommen, steht im Garten davor eine alte MIG. Als ich die Kamera heraushole, mich dem Zaun nähere und fotografieren will, kommen zwei große und eher ungemütliche Rottweiler bellend und knurrend angelaufen. Sie verstehen offensichtlich keinen Spaß und so trete ich ohne Foto den Rückzug an. Am Kraftwerk überquere ich die Neiße um sie nach ein paar Hundert Metern erneut wieder zu überqueren. Es ist inzwischen heiß geworden und mein Wasser aufgebraucht. Mein Mund ist trocken und ich habe Durst, doch Abhilfe ist nicht in Sicht. Das nahe Gasthaus ist geschlossen. Ein Hinweisschild zeigt eine Öffnungszeit für Montag bis Freitag an und heute ist leider Sonntag.

Für längere Zeit durchlaufe ich einen Wald, die Neiße ist nicht mehr sichtbar. Doch dafür hat mich die etwas höher gelegene Straße wieder. Dann endlich ein Hinweisschild auf eine Rastmöglichkeit mit „Lehmanns Radler-Rast“. Und diese Radlerrast taucht auch wenig später als ein Getränkewagen mit Tischen und Bänken auf.

Nach Stillen meines Durstes mit 2 Liter Wasser geht es weiter. Zuvor erfahre ich noch von einer Abkürzung zu meiner heutigen Unterkunft. Von einem gerade eingetroffenen Anwohner erfahre ich auch noch, dass vor drei Jahren hier auch ein Wanderer mit Hund auf einer Deutschlandumrundung vorbei gekommen ist.

Ich bleibe wie empfohlen auf dem Radweg und blicke unerwartet in die Augen eines Rehes. Uns trennt gerade mal ein Bach. Wir schauen uns bewegungslos an. Vorsichtig beginne ich die Kamera aus der Tasche zu holen und blind auszurichten, ohne den Blick vom Reh zu lassen. Wir schauen uns weiterhin unverändert an. Erst als ich einen Blick auf den abgeklappten Monitor werfe und leider nochmals ausrichten muss, springt das Reh die Böschung hoch. Ich erwische es gerade noch, bevor es im Feld verschwindet. Weiter geht es durch ein paar kleine Siedlungen. Am Himmel brauen sich wieder dunkle Wolken zusammen, doch ich erreiche meine Unterkunft trocken.  

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