156. Etappe: 28. September 2013

Zwieslerwaldhaus – Frauenau
Distanz: 21,1 km; Aufstiege: 457 m; Abstiege: 499 m

Als ich 9:45 Uhr das historische Gasthaus verlasse, scheint bereits die Sonne und ein tiefblauer Himmel empfängt mich. Zwar ist es noch etwas frisch, aber wenn die Sonne bleibt, wird es ein Traumwetter zum Wandern.

Nachdem ich das Ortsende erreiche, biege ich gleich in einen Laubwald ein. Sofort geht es aufwärts und schon nach kurzer Zeit erreiche ich die ersten Wanderer und ziehe vorbei. Dann bin ich alleine unterwegs. In lichten Bereichen des Waldes blendet mich öfters die Sonne, ich bleibe auch stehen und genieße für einen Moment die warmen Strahlen. Auch meine Jacke verschwindet schnell wieder im Rucksack. Es ist inzwischen so warm, dass ich nur im T-Shirt laufen kann. Mitten im Wald durchschreite ich eine Lichtschranke. Der Sinn dieser Einrichtung erschließt sich mir nicht. Sollen hier Wanderer und Spaziergänger gezählt werden oder Wildtiere?

Später erfahre ich, es handelt sich um Wildkameras für Forschungszwecke. Man möchte dem Luchs auf die Spur kommen.

Das Thema „Nicht gesehene Schachten“ und „Innere Ruhe“ beschäftigt mich immer noch. Noch kann ich nicht davon loslassen. In jedem Fall werde ich nicht noch einmal einem „Muss ich gesehen haben“ erliegen. Ich will mit Spaß und Freude weiterhin unterwegs sein und das sich plötzlich Ergebende einfach genießen.

So in Gedanken erreiche ich eine Kreisstraße. Diese verkehrsarme Straße verlasse ich nach meiner geplanten Route schon wenig später wieder. Doch als ich die Abzweigung erreiche, ist der eingezeichnete Wirtschaftsweg fast nicht mehr zu erkennen. Ich gehe trotzdem hinein und stapfe durch hohes Gras, hier ist eindeutig schon lange niemand mehr unterwegs gewesen. Mein Weg wird durch einen munter vor sich hin plätschernden Bach versperrt. Hier hat die Natur gesiegt. Da ich kein Bedarf auf nasse Füße habe, kehre ich um und laufe weiter auf der Kreisstraße entlang.

Ab Spiegelhütte gibt es einen separaten, parallel zur Straße, verlaufenden Fuß- und Radweg. Ich durchschreite den Weiler Jungmaierhütte und erreiche schließlich Buchenau. Bei einem Brunnen mit frischem Quellwasser mache ich eine Pause. Ein Anwohner erzählt mir stolz, dass diese Quelle den ganzen Ort mit Trinkwasser versorgt. Weiter im Ort erreiche ich ein schönes weißes Gebäude. Ein geschmückter alter Mercedes-Caprio und zwei Personen stehen wartend vor dem Metalltor. Ich frage, ob dieses Gebäude das Rathaus des Ortes ist. Als Antwort erhalte ich: „Dies ist das Schloss und einmal im Monat finden hier auch Trauungen statt.“

Den Ort verlasse ich auf einem schmalen Pfad und erreiche eine alte mächtige Hainbuche. Mit meinem NW-Stock messe ich den Durchmesser und der ist etwa 1,80 Meter. Wieder nur kurze Zeit später stehe ich vor einem Hinweisschild. Dieses weist aus, dass hier bis 1970 die Buchenauer Totenbretter standen. Zur Demonstration hängen beiderseits der Tafel zwei größere Bretter am Baum.

Von hier habe ich immer wieder einen herrlichen Blick in die Ferne. Im Vordergrund bereits die herbstlich gefärbten Laubbäume und im Hintergrund schieben sich die Berge Konturenhaft hintereinander. Der Pfad mündet in eine Lichtung mit rot und gelb gefärbten Bäumen. Danach geht es wieder ansteigend weiter. Am Wegesrand sehe ich wie schon unterwegs zum Großen Arber wieder das Wollgras mit seinem weißen, wie Flaum wirkenden Blüten.

Schließlich erreiche ich die Trinkwassertalsperre Frauenau und mache meine Mittagspause bei einem Rastplatz. Mit einem ebenfalls eintreffenden Paar bin ich schnell im Gespräch. Danach folge ich nach der Staumauer einer sich nach unten schlängelnden Fahrstraße. Es läuft sich gut abwärts und mein Kopf ist wieder frei. Erst kurz vor Erreichen einer Schranke schaue ich auf mein Navi. Ich habe wieder einmal die Abzweigung verpasst. Also wieder hoch bis zur Abzweigung, dann weiter nach Oberfrauenau und Frauenau. Bei Oberfrauenau komme ich an einem alten Gutshof und an dem Gutsgasthof vorbei. Nun ist es nicht mehr weit bis nach Frauenau. Dort im Zentrum auf einer Bank versuche ich mein Glück mit dem Mobilfunk. Tatsächlich klappt es wieder, sogar mit guter Geschwindigkeit. Schnell finde ich eine Pension in der Nähe der Badeanstalt.

Den Nachmittag und den Abend verbringe ich nun mit Berichten schreiben und Bilder bearbeiten. Es ist viel nachzuholen. Mein Kopf ist aber wieder frei. 

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