157. Etappe: 29. September 2013

Frauenau – Waldhäuser
Distanz: 24,7 km; Aufstiege: 585 m; Abstiege: 344 m

Schon zu Beginn meiner heutigen Etappe treffen mich die ersten Sonnenstrahlen. Noch ist es überwiegend bewölkt, aber es verspricht ein gutes Wanderwetter zu werden. Bereits am Ortsende stehe ich vor einem Schild: „Privatstraße“. Nur kurz zögere ich, schaue auf mein Navi und das zeigt mir nur einen größeren Umweg als Alternative an, dann gehe ich kurz entschlossen weiter. Erreiche wenig später ein Haus und sehe sofort das Schild: „Vorsicht frei laufender Hund“. Schnell hole ich das Pfefferspray heraus, sicher ist sicher. Doch der freilaufende Hund hat wohl Ausgangssperre. Und dann stehe ich auch schon auf einem Wirtschaftsweg und nun müsste es nur ein paar Meter weiter einen Weg hoch in den Wald geben. Der Weg kommt auch, doch schon nach wenigen Metern ist er verschwunden. Wenn überhaupt, ist es sehr lange her, dass es hier einmal weiterging. Hier jedoch hat mein Navi eine akzeptable Alternative und die führt mit einem Bogen auch in den Wald und später zu einem Kreuzungspunkt mit meiner geplanten Route.

Gleich geht es für längere Zeit wieder aufwärts. Bei Altposchingerhütte ist der als Radweg Nationalpark ausgewiesene Weg nun mit einer noch nicht verfestigten Schicht Steine aufgefüllt. Für einen Radfahrer eine ernste Herausforderung mit seinen Reifen. Auch ich muss nun wieder sehr konzentriert laufen.

Es erstaunt mich immer wieder, wie sich der Körper anpassen kann. Anfangs brannten mir die Füße nach längerer Zeit auf Asphalt und jetzt habe ich kein Problem mehr damit. Mit diesen Steinen hätte ich zu Beginn meiner Wanderung ernste Probleme bekommen. Dieses ständige Kippeln hätte mir arg zugesetzt. Doch jetzt nehmen es meine Bänder und Sehnen gelassen hin.

Diese Steinschicht muss ich noch etwa zwei Kilometer bis Klingenbrunn-Bahnhof ertragen. Unterwegs ein kurzer Plausch mit einem Radler über diese Bodenschicht. Er meint, dies ist ein Privatweg und der Belag bleibt wohl so ohne Verfestigung. Das Geld wird fehlen. In Klingenbrunn-Bahnhof mache ich eine Pause, dann geht es weiter auf einem Wirtschaftsweg unmittelbar neben einem Bach entlang. Mich trennt nur ein schmaler Grünstreifen mit Bäumen und Büschen von dem munter dahinfließenden Bach. Bei einem Rastplatz dann die nächste Pause direkt neben dem Bach. Der Wirtschaftsweg oder die kleine Straße ist vollkommen Auto- und Menschenfrei. Ich genieße die Ruhe und das herrlich dazu passende Plätschern.

Ab Spiegelau laufe ich zunächst wieder durch den Wald. Im Bereich des Ortes komme ich an einigen Spielplätzen vorbei. Hier schallen mir Lachen und Schreien der Kinder entgegen. Hier würde ich auch gerne mit meiner kleinen Enkelin sein. Der Wald ist bald zu Ende und ich erreiche wieder die Straße. Für den Nationalpark-Radweg gibt es eine unbefestigte Spur etwas abseits der Straße. Nach einiger Zeit kommt wieder einmal eine Bank und die nutze ich. Es ist windig geworden und immer wieder gibt es Windböen. Im Telefonat mit einem Studienfreund höre ich es plötzlich laut bersten und einen Moment später laut krachen. Erschrocken springe ich auf. Hinter mir, die Straße ist noch dazwischen, ist auf einer größeren Fläche mit vielen großen alten und kahlen Baumleichen wohl gerade ein nackter Riese umgestürzt. Nun werde ich unruhig, ich habe noch etwa 8 bis 9 Kilometer durch bzw. am Wald entlang bis zum Ziel zu laufen. Wir beenden das Gespräch und noch beim Aufschnallen meines Rucksacks höre ich es wieder krachen, jetzt ist wohl was Kleines runtergekommen. Als ich starten will, mein Blick ist gerade in Richtung dieser Baumleichen, kommt wieder eine Böe und nun kann ich das Bersten eines Riesen fast sehen. Zunächst fällt er fast in Zeitlupe zur Seite, dann krachend schnell zu Boden.

Nun habe ich es eilig. Der Wind hat auch weiter zugenommen. Mit diesem Erlebnis sehe ich natürlich nur noch umgefallene Bäume abseits des Weges. Normalerweise wäre ich ohne Beachtung daran vorbei gelaufen, doch jetzt springen sie förmlich in mein Blickfeld. Mein Schritt ist sehr zügig, biege dann bei einem Hinweisschild nach Waldhäuser ab. Hier geht es nun direkt an der Straße entlang. Im Ort Guglöd weist wieder ein Schild nach Waldhäuser, nur dieser Weg führt durch den Wald. Der Sinn steht mir gerade nicht nach Wald und so laufe ich weiter an der Straße entlang.

Der Wind hat weiter zugenommen und die langen Fichten biegen sich recht ordentlich zur Seite. Jetzt sind es noch etwa zwei Kilometer bis zum Ziel. Da sehe ich plötzlich einen Bus kommen und ein Stück weiter vorne auch eine Haltestelle. Die Busfahrerin hat mich wahrgenommen und zeigt auch mit der Hand zur Bushaltestelle. Dort wartet sie, bis ich diese keuchend erreiche. Erleichtert steige ich ein und nun bin ich wenige Minuten später am Ziel.

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